Solidaritätsbekundung für Jörg Schulz

Solidaritätsbekundung für Jörg Schulz

Der Schachverband Baden hat über die Mail der DSJ von der Freistellung und bevorstehenden Entlassung des DSJ-Geschäftsführers Jörg Schulz erfahren. Von Verbandsseite liegen uns leider keine Informationen zu den Gründen vor. Deshalb ergeht an den Präsidenten des DSB zumindest intern die Aufforderung, über die formale und arbeitsrechtliche Begründung aus Sicht des Präsidiums zu informieren.

Tatsache und unbestreitbar ist, dass Jörg Schulz seit vielen Jahrzehnten der Leistungsträger und Mitinitiator vieler DSJ-Initiativen ist, die neben dem Jugendschach auch viele Angebote des Breitenschachs, internationalen Austauschs und der Unterstützung unserer Schachfreunde mit Behinderungen umfassen. So steht er neben schachlichem Engagement auch für die soziale Verantwortung unseres Verbandes. Ebenso unbestreitbar ist, dass die DSJ für den DSB eine tragende Säule ist, weil über sie alleinig die Anbindung an Vereine (Beispiel Vereinsdatenbank, Vereinskonferenzen und Bundesvereinskonferenz) besteht. Erfreulicher Weise arbeitet und versteht sich die DSJ als Team. Deshalb hatte Malte Ibs als Vorsitzender der DSJ eindeutig erklärt, dass er und wohl weitere Vorstandsmitglieder ihre Ämter aufgeben werden, wenn die Kündigung von Jörg Schulz rechtswirksam bliebe. Dies ist verständlich, weil nur über einen so aktiven Geschäftsführer wie Jörg Schulz der DSJ-Vorstand seine Aufgaben und Initiativen wahrnehmen kann. Dazu zählen auch die kurzfristig anstehenden Finanzierungsanträge für laufende und geplante Projekte, die nunmehr dadurch zur Disposition stehen und deren Wegfall vermutlich auf Jahre hinaus die Arbeit der DSJ nachhaltig (zer)stören würde. Dies betrifft unter Umständen auch weitere Personalstellen und erweitert die Frage des sozial verantwortungsvollen Umgangs. Es ist aus Sicht eines den DSB noch angehörigen Landesverbandes vollkommen unverständlich, dass dieses finanzielle Risiko wie auch das drohende Vakuum in der Spitze der DSJ eingegangen wird.

Deshalb ist unsere erste Empfehlung und auch Forderung, dass das Präsidium die Abgabe der disponierten Anträge bis zum Freitag, 15.11.2019 sicherstellt und hierfür Jörg Schulz unmittelbar wieder in seine bisherigen Tätigkeiten einsetzt, um Schaden von der DSJ und dem DSB abzuwenden!
Wir vermissen beim DSB jegliche soziale Verantwortung für seine Mitarbeiter/innen. Die jetzigen und vorherigen Personalentscheidungen begünstigen ein Klima der Angst, des Misstrauens und Konflikts. Dies ist nicht unsere Auffassung einer modernen und demokratischen Vereinsführung. Wir stehen zudem auf dem Standpunkt, dass zu dieser Personalentscheidung der AK LV als satzungsgemäßes Beratungsorgan zu hören ist. Ebenso vertreten wir die Auffassung, dass der anstehende Hauptausschuss hierüber zu befinden hat oder zumindest anzuhören ist, weil diese strittige Personalentscheidung eng mit sachlichen und negativen Folgen für den Schachsport insgesamt verbunden ist. Deshalb schließen wir im vorliegenden Fall die Anrufung des Schiedsgerichtes nicht aus. Wenn das Präsidium am Vortag des Hauptausschusses einen Beschluss in vorliegender Affäre fällt, betrachten wir dies als eklatante Missachtung des Souveräns des DSB zwischen den Bundeskongressen. Wir behalten uns dann vor, gemeinsam mit anderen Landesverbänden einen außerordentlichen Bundeskongress zu beantragen.

In meiner Amtszeit als Vizepräsident Verbandsentwicklung habe ich Jörg Schulz als kritischen, selbstbewussten und außerordentlich engagierten Schachenthusiasten kennen und schätzen gelernt, mit eigenen Kopf aber stets auch mit vielen Ideen für gemeinsame Vorhaben und Projekte sowie der Fähigkeit andere dafür zu gewinnen. Wer aktiv und engagiert ist, darf und sollte allemal auch kritisch sein. Eine moderne und demokratische Verbandsführung nimmt diese auf und setzt sie konstruktiv in gemeinsame Initiativen um. Das ist beim DSB überhaupt nicht mehr erkennbar.
Malte Ibs ist nach unserer Auffassung ein absolut harmonischer und konstruktiver Typ Mensch mit Herz und Seele für unseren Verband. Ihn zu verprellen und gar zur angekündigten Demission zu bringen, ist ein Indiz einer vollkommen aus dem Ruder gelaufenen internen Kommunikation und eines fehlgeleiteten Personalmanagements. Aus unserer Sicht setzen sich hier unselige Linien fort, die mit der Entlassung von Louisa Nitzsche ihren Anfang nahmen. Es ist Aufgabe des Präsidiums die unterschiedlichen Charaktere und Empfindlichkeiten auf allen Seiten der Geschäftsstelle unter einen Hut zu bringen und im Interesse des DSB und der DSJ in konstruktive Zusammenarbeit umzumünzen. Es ist unser aller Aufgabe, dem Präsidium dies zu verdeutlichen.

Da wir auch die engagierte und erfolgreiche Arbeit von Marcus Fenner schätzen, bieten wir dem amtierenden Präsidium gerne unsere Vermittlung im vorliegenden Streitfall DSJ/DSB an. Dies aber nur unter der Voraussetzung, dass die Freistellung von Jörg Schulz zurückgenommen wird. Für die wohl geplante Kündigung des Arbeitsverhältnisses sollte ein Memorandum gelten, bis alle Gründe, Vorgänge und Lösungsmöglichkeiten (Mediationsverfahren?) offengelegt und diskutiert worden sind.
Denn es muss uns klar sein, dass die jetzigen Geschehnisse unabhängig von einer kurzfristigen Lösung einer langfristigen Klärung für die weitere Zusammenarbeit in der Geschäftsstelle und zwischen Präsidium und Geschäftsstelle bedürfen.

BSV Präsidium und Schachjugend Baden
Prof. Dr. Uwe Pfenning, Präsident BSV
Bernd Walther, 1. Vorsitzender SJB

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Inzwischen gibt es auch eine Petition gegen die Kündigung von Jörg Schulz. Wer seine Stimme abgeben möchte, kann das hier tun:

https://secure.avaaz.org/de/community_petitions/Deutscher_Schachbund_Keine_Kuendigung_des_Geschaeftsfuehrers_der_DSJ_Joerg_Schulz

Ein Gedanke zu „Solidaritätsbekundung für Jörg Schulz

  1. Ich habe die Petition bereits unterzeichnet. Ich finde es, man verzeihe meine Ausdrucksweise, beschissen, wie seitens des DSB-Präsidiums mit einem langjährigen guten Mitarbeiter umgeht, der sein Leben auch außerhalb seiner vertraglichen Arbeitszeiten der Schachjugend bis zu seiner Kaltstellung gewidmet hat. Ich kenne Jörg persönlich von Jugendsprecherseminaren und habe ihn schätzen gelernt. Seitdem ich vor fast 30 Jahren mit Schach angefangen habe ist er mir ein Begriff, anfangs als der Betreuer der Zeitschrift Jugendschach. Ich weiß, dass Jörg auch schon früher teilweise mächtige Gegner hatte wie z.B. einige Landesverbandspräsidenten. Leider konnten sich diese destruktiven Kräfte wohl bei der letzten Präsidiumswahl durchsetzen. Ich hoffe nur, dass Jörg nicht den Mut verliert und in seinem und im Sinne der Schachjugend um seine Position kämpft.

    Björn Brenk
    Gruppenleiter Schach DJB Steuben Mannheim Feudenheim

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